Lebensziele - Wofür lebe ich?

ƒ >> Obwohl sich in unseren Lehr- und Ausbildungseinrichtungen niemand so bewusst oder konkret mit dieser Frage auseinandersetzt, vermitteln uns seit Kindertagen alle Verantwortlichen, Lehrer und Erziehungsberechtigten überzeugend dargebrachte Wertvorstellungen und Auswahlmöglichkeiten zur zielgerichteten Lebensplanung. Das ist allzu verständlich, denn in deren Augen waren wir als Neugeborene ja hilflose und unwissende Babymenschen, ohne jedes Verständnis von den Zusammenhängen des Lebens. Und so lehrten sie uns seit dem Tag unserer Geburt - in bester Absicht - ihr Verständnis der Welt. Unser sorgloses Leben im Mutterleib hörte in der Regel nach bereits neun Monaten "Vollpension" auf - die wohlig wiegende Kreuzfahrt nahm ein jähes Ende. Ungefragt und nackt wurden wir an Land gespült.

Obwohl uns am Strand des Lebens liebevolle Hände auffingen, begann unsere Welterkundung als Trennungserfahrung, mit einem gekappten Tau und einem Schrei. Unserem ersten Schrei nach Luft und Liebe. Aus und vorbei war das tiefe Gefühl der absoluten Einheit im heimischen Mutterbauch, sicher verkabelt mit dem Atem des Lebens. Schon sehr bald erkannten wir uns als ein vom Rest der Welt getrenntes Individuum, ein kleines "ich" mit Fingerchen, Armen und Beinen. Und dann registrierten wir die anderen Wesen um uns herum. Bis dahin hatten wir uns lediglich als "Eins" wahrgenommen, mit allem verbunden. Ein "da und dort" entstand, wo vorher nur "hier und jetzt" existierte. Ein "oben und unten" entstand, wo vorher nur die Mitte - unser ganzes Universum war. Langsam, stetig und unaufhörlich wurde das kleine unwissende "ich" nun gelehrt wie das Leben funktionierte. Es lernte fühlend und hörend was es sein oder haben durfte, tun oder lassen sollte, was es sagen oder beachten musste und wo seine Grenzen waren. So oder so ähnlich haben wir alle mal begonnen...

 

Die Entdeckung der dualen Welt

 

Aus jedem kleinen "ich" wurde schließlich unser Großes "ich". Diese Entwicklung war in den allermeisten Fällen mit einigen Enttäuschungen und Schmerzen verbunden, denn für unsere Seele war es nicht leicht diese begrenzte Welt mit ihren Regeln und Einschränkungen zu akzeptieren. Es brauchte Zeit. Zunächst mussten die Träumereien unserer Kindheit weichen. Das Leben sei ja eine ernste Sache, man könne es nicht auf die leichte Schulter nehmen. Geschenkt bekäme man im Leben auch nichts - es handle sich schließlich nicht um ein Wunschkonzert. Irgendwann begann das erwachsene "ich" - mehr oder weniger enthusiastisch - eigene Ziele zu definieren. Erreichbare Meilensteine und erstrebenswerte Pläne formten sich. Je nachdem wo, und wie genau unsere persönliche Entdeckung der Welt verlaufen war und welche Begleiter dabei waren, war das Lebensmodel dann bestimmt von Vorhaben wie z.B. beruflicher Erfolg, eine Familie gründen, ein Haus bauen, die Welt sehen, Vermögen aufbauen, Menschen helfen, Kunst kreieren, Natur schützen, Medaillen gewinnen oder ein Land verteidigen. Es gab bzw. gibt natürlich noch viele andere Optionen. Möglicherweise verfolgen Sie persönlich ganz andere Ziele. So mancher verfolgt sein Ziel vielleicht aus Trotz oder möchte sich, anderen oder der Welt etwas beweisen. Die Freude, der Stolz oder die Genugtuung nach dem Erreichen des Ziels währt dann häufig nur kurz. Fast immer wird ohne Verzug ein neues Ziel ins Visier genommen. Weiter, immer weiter. Naja, es kann ziemlich anstrengend werden, so ein zielgerichtetes Leben.

 

Es gibt aber auch jene Zeitgenossen, die durch ihre Prägung heute eher ziel- oder orientierungslos umherschweifen oder gar planlos vor sich hin leben. Ihnen gilt ein perfekt geplantes Leben als Verschwendung. Auf sie wirkt es erdrückend, rastlos und getrieben. Sie verachten jene erfolgsorientierten Angeber, die keine Zeit mehr für das "wahre Leben" haben. Wenngleich sie selbst oft auch gern mal Glück hätten, spielen sie kein Lotto. Sie riskieren keinen Aufwand um nichts zu verlieren oder vorzeitig als Versager betitelt zu werden, von sich selbst oder anderen. Beinahe scheint es, als würden Sie weniger den Aufwand als eher den möglichen Erfolg fürchten. Also reden sie ihn lieber schlecht und distanzieren sich davon. Ihnen kommt er nicht ins Haus. So wie die anderen wollen sie nicht werden. Die Frage nach Lebenszielen klingt erdrückend in ihren Ohren. Sie wollen so bleiben wie sie sind, auch wenn sie oft nicht wirklich wissen wer sie sind. Sie wollen sich jedenfalls nicht von eigenen Ansprüchen oder den Ansprüchen anderer bestimmen lassen. Das fühlt sich für sie richtig und gut an, anspruchsvoll und authentisch. Meistens jedenfalls.

 

Und dann sind da noch die Träumenden. Die sich auf jeden Fall gerne alles anders wünschen; aber dann doch wieder auch mal erst alles so lassen wollen. Manche träumen mutig vom Glück, andere traurig oder resignierend. Sie haben ja auch schon einiges versucht, aber irgendwie klappt es nicht. Wenn es nicht so mühsam wär oder wenn jemand anders mitmachen würde.  Vielleicht kommen die guten alten Zeiten ja nochmal irgendwann. Dann wären sie sicher bereit. Sie wollen sich eigentlich auch irgendwie weiter entwickeln; aber wohin? Sie sehen traurig oder neidvoll auf das Leben anderer Menschen. Und Sie probieren hin und wieder etwas aus. Ein Motivationseminar oder ein Workshop zur Berufungsfindung als Einstieg in die wilde Fahrt des Lebens. Die damit verbundene Aussicht auf Freude und Erfolg, auf Zugehörigkeit oder finanzielle Unabhängigkeit bewirkt phasenweise Zielstrebigkeit. Und in der Tat - alles hat seine Zeit - ein Ziel zu definieren und zu erreichen ist immer eine großartige Sache und hat schon viele Menschen aus der Tristesse ihres Daseins gebracht. Aber gerade die sog. Träumer wissen instinktiv, dass widerwillige, erzwungene oder verkrampfte Zieleroberung nur ein Abbild der Wirklichkeit eines erfüllten Lebens sein kann.

 

Wofür lebe ich? Wenn Sie sich mit solchen Fragen beschäftigen, dann sind sie innerlich unruhig und dann wollen Sie mehr als eigene Überzeugungen zementieren oder lediglich gedanklich geforderte Zieletappen erreichen. Sie wollen mehr, viel mehr. Und dies hat einen einfachen Grund.

 

Spielregeln des Lebens

 

Ganz gleich welche Prägung unser erwachsenes "ich" auch verinnerlicht hat, es hat nie ganz aufgehört von der "Vollpension" zu träumen. Wir alle wissen tief in uns drin dass die sorglose Verschmelzung, die wohlig wiegende Leichtigkeit des Seins an Bord der "MS Mutter", unvergleichlich ist. Und wir haben nie ganz vergessen, woher wir ursprünglich gekommen sind. Wir wissen instinktiv wie sich Sorglosigkeit, Fülle, Geborgenheit und Liebe anfühlt. All unser Streben und all unsere Sehnsucht gilt dem Hauptgewinn - der Liebe. Und weil nur sehr wenige Menschen sich die wirklichen Motive und Bedürfnisse hinter ihren Zieletappen bewusst machen, sind die Enttäuschungen vorprogrammiert. Ganz gleich was "ich" auch anstellt oder wem es nachjagt, in stillen Stunden (sofern "Ich" diese zulässt) fühlt es sich häufig isoliert, begrenzt und als Verlierer. Egal ob es viele Rennen gewonnen hat, oder gar nicht erst angetreten ist.

 

Durch die Natur können wir die Spielregeln des Lebens begreifen. Dort nehmen alle Lebewesen alles was sie nehmen aus einem einzigen Grund: um zu geben. Jeder Samen nimmt Sauerstoff, Wasser und Sonnenlicht um zu geben, sich selbst, seine Schönheit oder Frucht - einfach um zu wachsen und zu sein was er ist. Der Mensch macht es umgekehrt - er gibt um zu nehmen. So gut wie alles was ein Mensch gibt, gibt er um zu nehmen. Haben Sie das schon bemerkt? Kaum ein Mensch tut irgendetwas in der Absicht leer auszugehen. Gewinnen (wollen) liegt in unserer Natur. Unser "ich" setzt viel ein und will dadurch "etwas vom Leben haben". Auch ehrenvolle Gutmenschen versprechen sich etwas vom geben. Jedes "ich" gibt um zu nehmen. Ganz gleich ob wir aktiv Ziele verfolgen, passive Skepsis oder Träumerei leben, "ich" will dadurch gewinnen. Dafür investiert es alles was nötig ist, je nach Prägung seine Kraft, seinen Willen, seine Zeit, sein Geld, seine Zweifel, seine Kritik, seine Angst, seine Gesundheit, seine Blockaden, seinen Glauben, seine Gedanken, seine Hingabe, seine Liebe, seine Opfer, seine Tricks oder auch sein Leben. Menschen geben solange aus gefühltem Mangel heraus um voneinander zu nehmen, bis sie sterben oder aber erwachen und bei sich selbst in ihrer inneren Fülle und Essenz ankommen.

 

Wofür lebe ich?

 

Für mich verbindet ein erfülltes Leben zwei Ziele miteinander. Das erste ist die Rückkehr zu sich selbst. Viele Menschen wenden sich in unterschiedlichem Maß und in bestimmten Phasen nach innen, z.B. um neue Kraft zu schöpfen oder Klarheit zu gewinnen. Gerade Krisen, Erschöpfungszustände oder Krankheiten können so zum Heil dienen. Manchmal entwickelt sich daraus eine neue Lebensweise. Häufig löst der alte Trott die erlangte Leichtigkeit aber auch schnell wieder ab. Zunehmend oft machen sich Menschen heute, ganz ohne Krise, auf die Suche nach dem Kern ihres Wesens und der tieferen Absicht ihres Lebens. Sie reisen dazu nicht mehr nach Nepal, Indien oder Rom, sondern beginnen auf ihrer heimischen Couch, im Wald oder irgendeinem Jakobsweg. Auslöser dafür ist die Sehnsucht nach Glück, Freiheit, Gesundheit und der Wunsch seinem eigenen Herzen intuitiv zu folgen - nicht nur gelegentlich, sondern möglichst häufig. Wenn wir anfangen das geprägte Bild unseres "ich" zu erkennen und uns Zeit nehmen um unser Original zu entfalten, verändert sich alles. Unsere wirklichen Bedürfnisse, eigene Gedanken- oder Gefühlsmuster, unser Körper und unsere Herzenswünsche zeigen uns dabei den Weg zu unseren ganz eigenen Zielen; wir verstehen die Spielregeln und hören auf zu "geben um zu nehmen". Dadurch wird unsere Lebensabsicht immer klarer und wir kommen an.

 

Die Rückkehr zu sich selbst ist - aus meiner Sicht - das erste Ziel, die wichtigste Reise unseres Lebens. Sie beginnt, wenn wir dazu bereit sind. Für viele Menschen in der zweiten Lebenshälfte, wenn wir offen sind die richtigen Fragen zu stellen. Sie dauert so lange wie sie dauert. Unterwegs entdecken wir, durch die Auflösung von Ängsten, Widerständen oder Blockaden, das Leben als wundervolles Geschenk. Es ist eine innere Entfaltung von der identifizierten Persönlichkeit zur ursprünglichen Essenz. Das macht mehr als Spaß - da kommt Freude auf. Zurück in das Erleben der Gegenwart, aus der eigenen Mitte heraus; nicht verklebt in Gedanken an die Vergangenheit oder Zukunft. Dadurch verwirklichen wir zunehmend befreit unsere ganz persönliche Lebensabsicht, Aufgabe und Passion auf diesem faszinierenden Erdball - unser zweites Ziel. Ich unterstütze Menschen beim Erreichen dieser beiden Ziele.

 

Haben Sie Fragen? Bei der Klärung Ihrer Lebensabsicht, die Überwindung von Blockaden oder dem erreichen Ihrer Ziele begleite ich Sie gerne. Nehmen Sie Kontakt auf. Ich biete Einzelcoaching, Coaching via Skype, Telefon und E-Mail.

 

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