Eins nach dem anderen oder Multitasking?

ƒ >> Die meisten menschlichen Körper haben zwei Beine, zwei Arme, zwei Ohren und zwei Augen. Dazu auch zwei Nieren, zwei Lungenflügel, zwei Blutkreisläufe (Aterien und Venen) und zwei Gehirnhälften. Außerdem vier Herzkammern, zehn Finger, dreiundzwanzig Bandscheiben, vierundzwanzig Wirbel und zweiunddreißig Zähne. Bei sovielen physischen Einzelteilen war es nur eine Frage der Zeit bis auch unser entdeckungsfreudiger Geist herausfinden wollte, wievielen Tätigkeiten und Eindrücken er gleichzeitig seine Aufmerksamkeit schenken könnte. Diese entdeckte Fähigkeit hat uns so sehr begeistert, dass wir ihr eine eigene Wortkreation schenkten: "Multitasking". Telefonieren, Kaffee trinken, im Onlienshop ein Kleid kaufen, eine SMS beantworten und den Kindern zuwinken "ich komm gleich" - alles gleichzeitig. Durch Übung haben es manche Menschen zu wahrer Meisterschaft gebracht. Wenn es also geht, wieso machen wir nicht alle viel mehr gleichzeitig? 

 

In unserer gegenwärtigen Zeit können wir eine Menge Gründe und Motive dafür finden, möglichst viele Dinge gleichzeitig zu machen, zu kontrollieren, zu verarbeiten. Vor allem den Frauen des Westens gefällt es, viele Dinge gleichzeitig zu können. Sie tun es mit Begeisterung und sprechen - natürlich gleichzeitig - die Multitaskingfähigkeit der männlichen Spezies gern mal ab. Obwohl es ihr oft lieber wäre "er" könnte auch mehrere Dinge gleichzeitig. Liegt hier vielleicht die geheimnisvolle Wiege des Multitasking? Vielleicht brauchte so mancher Mann der Frau ja einfach zu lang um den Müll zu entsorgen und sie erledigte es ungeduldig - nebenbei telefonierend - selbst? Viele bekannte Aussprüche belegen die Ausprägung der unterschiedlichen Kommunikationsvielfalt beider Geschlechter deutlich, z.B. "Ein Mann, ein Wort. Eine Frau, ein Wörterbuch". Aber eins nach dem anderen. Oder doch alles zusammen?

 

Für manche Menschen ist Multitasking eine Übung, eine harmlose oder unterhaltsame Disziplin. Andere Menschen leiden sowieso schon unter dem persönlichen oder allgemeinen Anspruch, möglichst viel zu leisten. Die Steigerung ist dann, möglichst viel gleichzeitig zu leisten. Manchmal sind viele gleichzeitige Tätigkeiten auch der unbewusste Versuch, einer unangenehmen Arbeit aber wesentlichen Aufgabe zu entgehen. Oder unsere vielen Tasks bringen uns Bewunderung. Oder wir verschieben damit ein notwendiges "Nein" gegenüber einem anderen Menschen.

 

Noch nie gab es für Männer und für Frauen so viele Kommunikationskanäle, Informationsangebote und Anreize das Leben auf der "Reise im Außen" zu genießen. Zumindest in unserem Teil der Welt. Bei uns wird die Waschmaschine mit einer App gestartet und in Zukunft per Roboter gefüllt (erledigt derzeit häufig noch der weiße Riese oder Meister Proper). Mithilfe der Wash-App kann man sich gleichzeitig um andere wichtige Dinge kümmern, z.B. die neusten Apps laden oder ein Posting bei Facebook platzieren, während man gedanklich eine Einkaufsliste erstellt oder auf dem Balance-Board den Körper ertüchtigt. An anderen Orten wird derweil die Wäsche per Hand noch im Fluss gewaschen. Was für eine vielfältige Welt! Gesundheitsexperten zeichnen seit Jahren ein bedenkliches Bild zum Thema "Multitasking" im Beruf. Je nach Arbeitsspeicher, Stabilität oder Datenfluss besteht immer die Gefahr einer Systemüberlastung. Fachleute aus dem Personalmanagement belegen dazu nüchtern, dass die gewöhnlich erhoffte Zeitersparnis bei komplexen Tätigkeiten eher zu Zeitverlust, Stress und erhöhter "Fehlerquote" führt. „Der Mensch kann eigentlich nur eine Sache auf einmal machen“, sagt Rainer Wieland, Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Bergischen Universität Wuppertal. Ob das stimmt?

 

Sprichwörter wie "weniger ist mehr" klingen wohltuend in unseren Ohren, vor allem an der Kasse, wenn es ums weniger bezahlen geht. Ansonsten reizt viele Menschen eher das "mehr". Vorwärts. Höher. Schneller. Größer. Wenn Sie auf der "Reise nach Innen" sind, möchten Ihre Gedanken an dieser Stelle vielleicht kopfnickend ein Fazit ziehen: "Sag ich doch, zu viel ist nicht gut. Eins nach dem anderen ist besser. Früher war die Welt noch in Ordnung. Sch... Internet".

 

Sie könnten gedanklich aber auch über sich hinaus wachsen und sich einmal ganz ohne Einordnung oder eine Bewertung schlicht z.B. dem weniger, zurück, tiefer, langsamer oder kleiner zuwenden, wenn Sie es so wollen. Das fühlt sich vielleicht etwas ungewohnt an, denn Ihr Verstand möchte viel lieber die gelesenen Informationen entsprechend seinem bisherigen Weltbild bewerten, einordnen und abheften. Er verlangt vielleicht sogar danach. Es muss doch nun irgendeine Antwort her. Etwas muss doch eins von beidem besser oder schlechter sein, richtig oder falsch. Wie soll es denn nun gehen?

 

Vielleicht holen Sie alternativ - vor irgendeinem gedanklichen Fazit - zuerst kurz Luft und öffnen Sie sich beim Lesen einfach einmal für den Herzgedanken, das sowohl die Reise nach innen als auch die Reise im Außen lediglich mögliche Reiserouten sind. Dass alle Wege die Sie sehen oder spüren können, den liebevoll geschaffenen Wahlmöglichkeiten entsprechen, um Ihr eigenes Leben frei zu gestalten. Sonst wären diese Wege ja garnicht da.

 

Vielleicht ist kein Weg richtig oder falsch, solange Sie ihn nicht entsprechend einordnen. Diese - für den Verstand zunächst unbefriedigende - Sicht könnte ein ganz neues Licht auf Ihre Wege der Vergangenheit und Zukunft werfen, vor allem wenn Sie bisher damit unzufrieden oder nicht im Glück waren. Denn dann wäre jeder Weg gut, solange Sie es so sehen. Ob Sie unterwegs gleichzeitig viele Dinge machen oder eins nach dem anderen ist dann gar nicht so wichtig. Es ist einfach nur eine Auswahlmöglichkeit auf dem Weg. Ihrem Weg.

 

Leben Sie befreit und bewusst ein eigenes Leben oder verwirklichen Sie hauptsächlich Ihre eigenen bisher abgehefteten Festlegungen? Oder gar die Ansprüche von anderen Menschen? Sie haben die Wahl. Und Sie können auf allen Wegen jederzeit die Richtung ändern, abbiegen oder umkehren.

 

Haben Sie Fragen? Auf neuen Wegen, bei der Überwindung von Blockaden oder dem erreichen Ihrer Ziele begleite ich Sie gerne. Nehmen Sie Kontakt auf. Ich biete Einzelcoaching, Coaching via Skype, Telefon und E-Mail.

 

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